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14. November 2019

Rennrad Tipps für Herbst und Winter – Offseason ist Einstellungssache!

Ein Rennrad-Urlaub in Südtirol im Frühling oder Sommer ist eine wahre Freude; sogar in den frühen Herbsttagen, wenn die nachlassenden Sonnenstrahlen noch wärmen und die Natur in Gold- und Orangetöne getaucht ist, kann man gern noch die eine oder andere Ausfahrt wagen. Spätestens Ende Oktober ist für die meisten dann Schluss. Regen, Schnee, im tiefen Winter auch Temperaturen um null Grad, das ist wahrlich kein Wetter mehr zum Rennradfahren. Viele steigen auf das Mountainbike oder gänzlich andere Sportarten wie Langlaufen, Skifahren oder Schneeschuhwandern um, andere holen sich die nötige Dosis Pedal-Umdrehungen auf dem Rollentrainer oder dem Spinning im Fitnessstudio. 

Wir vom Bike-Hotel Lindenhof in Naturns in Südtirol finden: Das muss nicht sein! 

Die gute Nachricht: Es gibt keine Offseason!

Sie haben richtig gehört. Der Rennrad-Sport liegt uns im Blut, schließlich ist Hotelchef Joachim Nischler seit seiner Jugend begeisterter Rennradler und widmet einen guten Teil seiner Zeit (und des Hotelangebots) seinem Lieblingssport. Da schmerzt die Vorstellung, bis zu vier Monate im Jahr nicht auf dem Rad sitzen zu “dürfen”, schon ein wenig. Wir haben gute Nachrichten für jeden, dem es ähnlich ergeht: Die Offseason, also die Zeit außerhalb der “offiziellen” Rennradsaison, ist nicht verpflichtend

Klar, wer als Profi von März bis Oktober tausende Kilometer auf dem Roadbike abstrampelt und vielleicht nebenbei noch Lauf- und Schwimmtraining im Zuge des Triathlons betreibt, der braucht Ruhe und Entspannung zwangsläufig, um im nächsten Jahr wieder voll durchzustarten. Doch für den Durchschnittsrennradler? Der den Sport aus Spaß und zur Verbesserung der körperlichen Fitness betreibt oder als Alternative zum Auto auf dem Weg zur Arbeit sieht? Dieser kann sich auf ganzjährige Action auf dem Rennrad freuen, wenn er unsere Rennrad-Tipps für Herbst und Winter beherzigt. Schließlich bringt es viele Vorteile: Man bleibt im Training und kann im Frühjahr mit mehr Kondition durchstarten, Winterspeck setzt sich durch die Bewegung gar nicht erst an, die frische Luft stärkt das Immunsystem, das Fahren in schlechter Witterung fördert die Aufmerksamkeit auf der Straße und verbessert die Fahrtechnik.

Einfach ohne Übergang mit Sommerausrüstung und -trainingsansatz draufloszutreten geht natürlich nicht, doch mit ein paar Anpassungen an Fahrer und Bike ist dem Rennradvergnügen auch in kälteren Temperaturen nichts entgegenzusetzen. 

Rennrad Tipps für das Bike – Reifen, Rahmen und Beleuchtung

Am besten wäre natürlich ein eigenes Rennrad nur für die kälteren Monate, das man nach Herzenslust durch Regen, Schnee und Eis quälen kann. Da das, sei es aus finanziellen oder Platzgründen, nicht jedem möglich ist, hier ein paar Tipps, wie Sie Ihr geliebtes Bike wintertauglich machen:

Reifen

Generell wird empfohlen, im Spätherbst und Winter auf breitere Reifen mit härterem, griffigerem Material umzusteigen. Diese sollten zudem ein kleines bisschen weniger Reifendruck als im Sommer haben, um die Traktion nochmals zu erhöhen. Viele Hersteller bieten inzwischen spezielle Reifen für schlechtere Witterungen an, die mit gröberem Profil, besserem Pannenschutz und größerem Volumen mehr Sicherheit bieten, ohne allzu viel Geschwindigkeit und Fahrspaß einzubüßen. Natürlich ist die Kurvenlage trotz aller angepassten Materialien auf kaltem und nassem Untergrund eine andere, das hängt aber prinzipiell vom Können des Fahrers ab. Einige begeisterte Winter-Rennradler schwören auf Tubeless-Reifen, da sie aber ihre ganz eigenen Unterschiede bei Montage und Wartung mitbringen, sollen sie hier nur am Rande erwähnt werden. 

Rahmen

Der Gedanke, den teuren, wunderschönen Carbonrahmen des geliebten Bikes dem Streusalz, Splitt und feuchten Wetter auszusetzen, lässt manchem die Haare zu Berge stehen. Die Angst ist unbegründet, denn gerade Carbon ist eher unempfindlich gegenüber den Elementen. Es rostet nicht und zerkratzt nur oberflächlich, hält also mehr aus als man denken könnte. Trotzdem sollten einlaminierte oder montierte Aluminiumteile und diverse Elemente der Schaltung und die Kette gewissenhaft gepflegt werden. Kurzes Einfetten wo nötig und Abdichten von kleinen Schlitzen und Unebenheiten im Rahmen mit spezieller Montagepaste erhöht die Lebensdauer erheblich. Nach einem actionreichen Winter auf dem Rennrad kann es außerdem sinnvoll sein, bei Rädern mit mechanischer Schaltung Züge und Zughüllen auszutauschen. Direkt nach der Rückkehr von einer Wintertour sollte man das Rad immer mit Schwamm und stark verdünntem Spülmittelwasser waschen und wenn möglich mit einem weichen Handtuch trocknen.

Nicht zwingend nötig sind Schutzbleche, die jedoch nur Vorteile bringen, wenn man nasse und verdreckte Bauteile und Kleidung vermeiden möchte. Fix verschraubte Modelle sind nicht mit allen Rennrädern kompatibel, inzwischen werden aber einige Schutzbleche angeboten, die mit Gummibändern, starken Magneten oder Klick-Mechanismen an- und abmontiert werden können. Wer nicht gerade mitten in einen Schneesturm gerät oder einen spektakulären Unfall baut, dem werden sie gute Dienste leisten.

Beleuchtung

Last but not least, das Licht. Besonders im Winter wird es früher dunkel und nicht jeder Rennradler, der den Sport nicht professionell betreibt, verfügt über den Luxus bei Tageslicht zu fahren. Hier ist Beleuchtung vorne und hinten Pflicht, sowie reflektierende Elemente an Rahmen und Speichen angeraten. Besonders beim vorderen Licht sollte auf keinen Fall gespart werden. Die Fixierung sollte Erschütterungen standhalten und sich weder von Schwer- noch Fliehkraft sonderlich beeinflussen lassen. Nichts ist schlimmer, als auf einer langen Fahrt alle hundert Meter stoppen zu müssen, um das Licht neu auszurichten. Das Licht selbst sollte hell und in einem weiten Kegel strahlen, die meisten Hersteller bieten LEDs mit erstaunlichen Lumen-Zahlen für wenig Geld an.

Ein springender Punkt ist hier die Stromversorgung des Lichts. Eine Panne oder sonstige Verzögerung kann schnell eine Weiterfahrt in absoluter Dunkelheit herbeiführen. Da sollte man sich auf das Licht verlassen können! Der altbewährte Nabendynamo ist eine Möglichkeit; allerdings gibt es inzwischen eine Vielzahl von akkubetriebenen Leuchten, die mit einem USB-Anschluss relativ schnell geladen werden können. Kurz vor der Fahrt zu Hause oder im Büro eine halbe Stunde an das Kabel und schon halten sie eine Fahrt von mehreren Stunden ohne Probleme durch.

Rennrad Tipps für den Fahrer: Zwiebellook, Sichtbarkeit, Trainingsansatz & Regeneration

Auch am Fahrer selbst müssen für den Rennrad-Sport in den kälteren Monaten einige Veränderungen vorgenommen werden. Einfach mit einem kurzen Bike-Dress draufloszuradeln wird wahrscheinlich niemandem einfallen, trotzdem gibt es aber einige Dinge zu beachten:

Kleidung

Die Vorlieben an Materialien, Optik, Schnitt und Tragekomfort der verschiedenen Outfits sind so verschieden wie deren Träger selbst. Es gibt allerdings gewisse grundlegende Dinge, die man beachten sollte. Tipp: die von der Kleidung gespendete Wärme sollte “gerade so” ausreichen, d.h. wenn Sie trödeln oder stehenbleiben sollten sie ganz leichte Kälte verspüren. So gewährleisten Sie, dass die von der Bewegung erzeugte Wärme Sie nicht allzu viel schwitzen lässt, was später zum Problem werden könnte. Thermo-Kleidung gibt es wie Sand am Meer, aber sie kann eine gewisse Kälteresistenz des Trägers und sein Gefühl für die Temperaturregulierung des eigenen Körpers nicht ersetzen.

Von innen nach außen sollte Ihr Zwiebellook allgemein so aussehen (die Anzahl der Schichten müssen natürlich mit fallenden Außentemperaturen oder persönlichen Präferenzen übereinstimmen):

  • Thermo- oder Merino-Unterhemd
  • kurzes Trikot oder enges T-Shirt aus synthetischem Stoff
  • ein dickes Langarmtrikot
  • eine Softshelljacke (bzw. dickere Regenjacke bei starkem Wind)
  • bei Temperaturen um den Gefrierpunkt einen Ohrenschützer oder Haube
  • Winterhose ohne Polster
  • Merino-Socken
  • Winterschuhe
  • Überschuhe (vorzugsweise aus Neopren)
  • verklebte (nicht genähte!) Handschuhe, Länge je nach Kälte
  • Klarglasbrille zum Schutz der Augen vor der kalten Luft
  • etwas fettige Hautcreme auf den Lippen, bei starker Kälte auch dem Rest des Gesichts

Sichtbarkeit

Viel gibt es zu diesem Punkt nicht zu sagen, doch weglassen darf man ihn keinesfalls: da Sie viel im Dunkeln fahren werden, müssen Sie weithin sichtbar sein. Wählen Sie Kleidung in grellen Farben mit reflektierenden Elementen, rüsten Sie Ihr Bike und den Helm mit handelsüblichen Reflektorstickern nach, montieren Sie Katzenaugen auf Ihren Speichen, verwenden Sie ein Rücklicht mit aktivem Licht anstatt eines rückstrahlenden und und und… Sie müssen auf Ihrer Ausfahrt im Winter nicht gerade leuchten wie ein Christbaum auf dem Weihnachtsmarkt, entgegenkommende Fahrzeuge und andere Radfahrer sollten Sie jedoch vor allem in kurvigem, unübersichtlichem Gelände von weitem erkennen können. Die Kombination aus schlechter Sicht und gefährlich rutschigem Untergrund hat schon so manches Unglück verursacht, das mit besserer Sichtbarkeit gemildert oder verhindert hätte werden können.

Trainingsansatz & Regeneration

Zu guter Letzt gilt: Die kälteren Temperaturen fordern den Körper anders, als es die angenehme Sommerwärme tut. Niemand wird im tiefsten Dezember versuchen, Bestzeiten einzufahren und Rekorde zu brechen. Fahren Sie längere aber einfachere Strecken, um Ihre Ausdauer in Schuss zu halten. Lassen Sie die Stoppuhr zuhause, oder beachten sie zumindest nur als grobe Richtlinie. So erhalten Sie Ihre Kondition für das Durchstarten im Frühjahr und können nebenbei an Ihrer Fahrtechnik feilen, ohne sich zu sehr zu verausgaben.

Auch die Regeneration nimmt an Wichtigkeit zu. Ernähren Sie sich vor und nach dem Fahren gesund und vollwertig, schlafen Sie genug, und gönnen Sie Ihren Muskeln hie und da eine wohltuende Massage oder einen Saunagang. Sie werden es Ihnen danken!  

Wir hoffen, unsere Tipps für die Offseason (die es, wie wir gezeigt haben, nicht wirklich gibt) helfen Ihnen, den Fahrspaß und das Training in Herbst und Winter aufrecht zu erhalten. Unabhängig von der Jahreszeit stehen wir im Bike-Hotel Lindenhof in Naturns Ihnen gerne mit Rat und Tat und dem perfekten Rennrad-Angebot auch für Sie zur Verfügung!

Bildquelle © IDM Südtirol/Benjamin Pfitscher

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